Warum so viele Frauen ihren Zyklus ablehnen.

Aktualisiert: Jan 4

Dein Zyklus in Jahreszeiten


Der weibliche Zyklus ist der natürlichste und ursprünglichste Teil der Weiblichkeit. Lies im heutigen Artikel warum sich so viele Frauen von ihrer Weiblichkeit entfremden, woher diese Ablehnung kommt und warum alleine das Annehmen Deines Zyklus mit all seinen Phasen, viele Beschwerden lindern wird.

Weiblichkeit - Zyklus - Natürlichkeit

Er begleitet uns etwa 35 Jahre unseres Frauenlebens. Er ist das weiblichste und ursprünglichste Teil unserer Weiblichkeit. Gleichzeitig ist er unendlich schambehaftet und er bekommt den "schwarzen Peter" für nahezu alle emotionalen Ausbrüche einer Frau - DER ZYKLUS.

Nirgends sonst stehen Weiblichkeit und Scham so nah beieinander

In meine Zeit in Gynäkologie sind mir unzählige Frauen im Notdienst bzw. der Sprechstunde begegnet, die in unterschiedlichsten Phasen ihres Zyklus mit ganz unterschiedlichsten Symptomen, um Hilfe baten. Schmerzen im Bauchraum haben immer etwas sehr bedrohliches, wenn wir sie nicht verstehen und keine logische Erklärung ihrer Ursache erkennen. Eine ungewöhnlich starke Regelblutung oder starke Schmerzen im Unterleib währenddessen führten diese Frauen in die Sprechstunde oder gar in die Notfallzentrale. Manchmal ist einfach nur die monatliche Periode so unwillkommen, dass diese verschwinden sollte. All diese Begegnungen gaben mir sehr zu denken. Ich habe selbst sehr lange gebraucht, um mit meinem Zyklus Frieden zu schließen. Mein Weg führte tatsächlich über das medizinische Wissen, weiter über ganzheitliche Ansätze und die energetische Betrachtung unserer Zyklusenergien. Keine dieser sehr persönlichen Geschichten bewerte ich, denn jede dieser Frauen wusste sich nicht anders zu helfen und suchte Hilfe und bat um Rat.

Ich möchte nicht bewerten. Ich will aufklären und so die Eigenverantwortung und Selbsterfahrung stärken!

Ich bin für jede dieser Geschichten dankbar, weil es mir gezeigt hat, wie tief der Schmerz und die Scham beim Thema Zyklus reicht. Außerdem durfte ich sehen, wie viel gerade hier das Wissen über den eigenen Körper hilft. Das Wissen über die unterschiedlichen Körpervorgänge erklärt tatsächlich so manches unangenehme Ziehen und Unwohlsein. Unsicherheit und Angst aufgrund dessen verursacht Stress und die ausgesendeten, begleitenden Hormone der natürlichen Stressantwort unseres Körpers, verschlimmern tatsächlich die wahrgenommen Schmerzen und tatsächlich die Entzündungsreaktionen, die damit einhergehen. Andersherum werden viele Beschwerden gar nicht so schlimm, wenn wir gelassen bleiben, uns etwas Gutes tun und beobachten, wo die Reise hingeht.

Wissen über den eigenen Körper schenkt Sicherheit und Wohlbefinden

Eine aktuell sehr verbreitete und, wie ich finde sehr eingängige Betrachtung des weiblichen Zyklus ist der Vergleich mit den Jahreszeiten. Bereit in meinem Podcast habe ich hierzu für jede Phase eine Folge aufgenommen. hier>>

Der Zyklus in Jahreszeiten ist so eingängig, weil wir zu jeder Jahreszeit bereits ein Gefühl in uns tragen. Diese Gefühlsintelligenz hilft beim reinstürzen in den eigenen Körper und dabei die eigenen Bedürfnisse in jeder Phase und auch die eigenen Möglichkeiten zu erkennen. Lasst uns also Anfangen:


Einmal Übersicht bitte:


Da auch in der Schulmedizin der erste Zyklustag gleich dem ersten Tag der Regelblutung ist, beginne ich meine Übersicht ebenfalls dort:


Winter - Regelblutung

Frühling - Aufbauphase

Sommer - Eisprung

Herbst - Umwandlungsphase


Jeden natürlichen Zyklus verläuft unser Körper diese 4 Stadien sowohl auf körperlicher als auch auf energetischer und emotionaler Ebene. In einem Pillenzyklus gibt es diese Phasen nicht, die monatliche Blutung (falls vorhanden) ist eine Hormonentzugsblutung. Für Frauen, die eine Hormonspirale tragen, kann es ebenfalls eine Verschiebung der Phasen bedeuten, da ein hormoneller, wenn auch geringer, Eingriff in den natürlichen Hormonhaushalt vorliegt.


Für jeder der 4 Phasen werde ich meine persönlichen Tipps teilen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bei anhaltenden Beschwerden sollte trotzdem ein ärztlicher Kollege oder Kollegin vor Ort zu Rate gezogen werden. Der Einklang mit dem eigenen Körper und mit unserem Zyklus kann eine Weile brauchen. Das Annehmen Deines Körpers und von Dir selbst ist ein so wichtiger Teil dieses Prozesses. Er wird Beschwerden mildern, sie vielleicht aber nicht gänzlich verschwinden lassen. Und hier liegt eines der oft nicht kommunizierten "Geheimnisse":


Wir Frauen haben nicht jeden Tag die selbe Energie. Wir fliegen im Frühjahr und Sommer und Ruhen im Herbst und Winter. Ein Leben mit Dir und in Deiner Energie ist der beste Tipp, den ich Dir geben kann!

zyklischer WINTER


Die Phase der monatlichen Regelblutung und wohl der häufigsten Beschwerden der Frau. Meine Podcastfolge hierzu kannst Du dir direkt hier >> anhören.


Körperliche Vorgänge:

In dieser Phase wird die Schleimhaut vom Uterus abgestoßen. Natürlicher weise ist unsere Uterusschleimhaut mit einer funktionellen Schicht ausgestattet, die durch Abstoßungsprozesse, also einer natürlichen Entzündungsreaktion durch den Untergang der Zellen in dieser Schleimhautschicht, eingeleitet werden. Neben der Schleimhautaneile ist auch immer etwas frisches Blut in den ersten tagen der Blutung zu erwarten, weil die Schleimhaut immer auch Anschluss an die Gefäße unseres Körpers hat. Diese bluten während der Ablösung der untergegangenen Schleimhaut und verschließen sich innerhalb der ersten beiden Tage. Daher ist die Blutung in den ersten Tagen oft frisch rot und deutlich stärker, als in den folgenden Tagen.

Hormonell befinden sich Östrogen und Progesteron in einer Tieflage.


Energie:

Der zyklische Winter ist eine Phase der körperlichen Einkehr. Der Körper regeneriert, wir befinden uns im übertragenen Sinne in einer Art Winterschlaf. Wie in der Natur schläft unsere Energie bedeckt von einer schützenden Eisschicht.


Typische Beschwerden:

Nicht selten verschlimmern sich in dieser Phase typische Beschwerden, wie Kopfschmerzen und Migräne, Verdauungsbeschwerden & Heißhunger oder auch Rücken- oder Gelenksbeschwerden. Zusätzlich plagt viele das prämenstruelle Syndrom (PMS).

Depressive Verstimmung, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen sind ebenfalls oft beschrieben.


Meine Tipps:

Haushalte mit Deiner Energie. Nutze Freizeit mit Dingen, die Dir gut tun & die Dir Energie zurückgeben. Unser privates und berufliches Leben ist nicht immer nach unserem Zyklus zu terminieren. Bewusste Auszeiten vermeiden jedoch ein energetisch tiefes Loch.


zyklischer Frühling


Dies ist die Phase zwischen Regelblutung und Eissprung. Hier erblüht in unserem Körper neues Leben. Meine Podcastfolge passend dazu findest Du hier >>


Körperliche Vorgänge:

Noch während die Blutung in der Gebärmutter ab blutet, steigen die vor allem das Östrogen und auch Progesteron wieder an.

Das Östrogen sorgt in der Gebärmutterhöhle für den erneuten Aufbau der Schleimhaut. An den Eierstöcken reifen tausende Eizellen gemeinsam heran bis sich eine einzige durchsetzt.


Energie:

Die Energie nimmt ab Tag 4 - 5 nach Beginn der Regelblutung weiter und weiter zu. Die Frische in uns entsteht durch das Östrogen. Es ist unser weibliches Powerhormon und lässt uns bildliche Berge versetzen.

Jetzt ist die richtige Phase für die Entwicklung & Umsetzung neuer Projekte, das Lösen schwieriger Aufgaben und in die Sichtbarkeit zu treten.


Typische Beschwerden:

Mit jedem Tag steigt das subjektive Wohlbefinden in Richtung Eisprung typischerweise an. Die Haut strahlt und unser Körpergefühl ist überdurchschnittlich positiv.


Meine Tipps:

Lege in diese Phase bewusst schwierige Projekte und Aufgaben. Plane Gespräche, bei denen Du glänzen willst. Im zyklischen Frühling wird Dich Deine Energie beflügeln. Achte jedoch trotzdem darauf nicht dauerhaft über Deine Grenzen zu arbeiten, es wird sich in den Phasen der Einkehr , also in Herbst und Winter bemerkbar machen durch verstärkte Symptome.


Zyklischer SOMMER


Der zyklische Sommer ist die Zeit des Eisprungs und sie hält etwa 24-48 h energetisch an. Die passende Podcastfolge hörst Du hier >>


Körperliche Vorgänge:

Hormonell gesehen befinden wir uns in der Östrogenhochphase im Zyklus. Das Östrogenhoch löst ein hoch des LH (Luteinisierendes Hormon) aus, welches den Eisprung letztendlich auslöst. Diese Eizelle ist nun 12 h fruchtbar. ACHTUNG! Durch die Lebensdauer der Spermien von durchschnittlich 5 - 7 Tage verlängert sich die fruchtbare Phase unseres Zyklus.

Die Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle ist nun hoch aufgebaut.


Energie:

Der zyklische Sommer ist die energetische Hochphase und der größten Produktivität.


Typische Beschwerden:

Im Unterbauch kann der Eisprung als unangenehmes Ziehen im Unterbauch spürbar sein. Hier habe ich als Gynäkologin schon alles erlebt von starken Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen bis hin zur Ohnmacht, verursacht durch einen starken Schmerz. Typischerweise beginnt er auf einer Seite und wandert in die Mitte des Unterbauchs. Diese Missempfindung kann 2 - 5 Tagen anhalten.


Meine Tipps:

Ebenso wie im zyklischen Frühling kannst Du hier herausfordernde Aufgaben und Projekte umsetzen. Achte darauf auch hier nicht über Deine Grenzen zu gehen. Deine energetische Balance oder auch Dysblance zeigt sich in der nächsten Phase, dem zyklischen Herbst umso intensiver.


zyklischer HERBST


Der zyklische Herbst ist die Phase nach dem Eisprung und vor der erneut einsetzenden Regelblutung. Ebenso ist sie die Phase der möglichen erneuten Befruchtung. Die passende Podcastfolge zum zyklischen Herbst hörst Du hier >>


Körperliche Vorgänge:

In dieser Zyklusphase steigt unser körpereigenes Progesteron an. Es sorgt für einen Umbau der Gebärmutterschleimhaut. In die hoch aufgebaute Schleimhaut werden Nährstoffe eingebaut, um ein gute Grundlage für eine mögliche Schwangerschaft zu schaffen. Medizinisch wir diese Phase auch Umbau- oder Sekretionsphase genannt.

Die Hülle der gesprungenen Eizelle wird zum Gelbkörper. Dieser ist die Quelle des Progesterons, des Gelbkörperhormons für die ersten Wochen einer möglichen Schwangerschaft.


Energie:

Nach dem Eisprung beginnt die Phase des Rückzugs erneut. Deine Arbeit geht Dir nicht so fluffig von der Hand, wie die Tage zuvor. Vielleicht spürst Du, dass Du Deine Nachmittage lieber auf dem Sofa als beim Kaffee mit einer Freundin oder beim Sport verbringen magst.


Typische Beschwerden:

Im zyklischen Herbst können Dir bekannte Beschwerden öfter und auch intensiver auftreten. Kopfschmerzen, Migräne, Verdauungsbeschwerden werden intensiver wahrgenommen oder häufen sich. PMS stellt sich meist wenige Tage vor der zu erwartenden Regelblutung ebenfalls ein.

Die Stimmung kann ebenfalls nachlassen. Emotionale oder mentale tiefe Löcher sind hier nicht selten. Hier kann ich von mir persönlich berichten. In dem ersten Jahr meiner Selbstständigkeit fiel ich hier regelmäßige in belastende Selbstzweifel.


Meine Tipps:

Was kannst Du also tun, um in dieser Zyklusphase gut für Dich zu sorgen? Wenn Du bereits in deinen energetischen Hochphasen darauf achtest nicht über deine energetischen Reserven zu gehen, dann kannst Du einem tiefen Energieloch vorbeugen.

Achte außerdem auf die Zeichen Deines Körpers. Nimm Dir noch bewusster Auszeiten, trinke ausreichend Wasser (2-3l am Tag) und nähre Deinen Körper mit hochwertigen Fetten, Proteinen und komplexen Kohlenhydraten (in dieser Reihenfolge 😘).


Deinen Zyklus anzunehmen, Dich auf ihn einzulassen, ist einer der wichtigsten Schritte

Deinen Zyklus anzunehmen, Dich auf ihn einzulassen, ist einer der wichtigsten Schritte zu ganzheitlicher Gesundheit als Frau. Zu ergründen, woher diese Ablehnung des Weiblichen in uns stammt, sehe ich als eine der wichtigsten Aufgaben unserer Generation. Wir dürfen Weiblichkeit mit all ihren Facetten in unsere Gesellschaft endlich und vollends integrieren. Und auch hier beginnt es bei uns selbst!

Weiblichkeit annehmen. Dafür einstehen. Nie wieder abwerten oder verstecken. Ein weiblicher Körper funktioniert anders als ein männlicher ebenso wie unsere Psyche. Unsere Energie lebt, ist zyklisch. Stimmungsschwankungen entstehen, wenn Du keine Energie mehr hast, Dich zu erden. Du gerätst aus dem Gleichgewicht. Es folgen zunehmende körperliche Beschwerden.

Lebe mit Deinem Körper und nicht gegen ihn

Lebe mit Deinem Körper und nicht gegen ihn! Das wirst Du, wie ein Mantra immer wieder von mir lesen und hören! Teile gerne Deine Erfahrungen mit mir. Wie geht es Dir in Deinem Zyklus. Hast sich für Dich vielleicht schon etwas verändert, weil Du mehr auf Dich und Deine Körper geachtet hast?


Am Mittwoch folgt hier im Blog ein Beitrag über natürliche Verhütung und Sexualität in allen Lebensphasen der Frau als Antwort auf einen Beitrag, der hart mit natürlicher Verhütung abrechnet.


Wie schön, dass Du wieder mitgelesen hast!

Deine Franziska

© 2020 by Dr. med. Franziska Rudolph |